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Dienstag, 2017-12-12

Wappengeschichte der Gemeinde Gilching

In Rot eine goldene Glocke

Wappengeschichte: Das Wappen zeigt in stilisierter Form die sogenannte Arnoldusglocke aus dem 12. Jahrhundert, die in der Pfarrkirche St. Vitus in Gilching hängt und zu den ältesten Glocken Deutschlands gehört. Sie wurde im Auftrag des Pfarrers Arnoldus in Gilching um 1170 gegossen. Die Farben Rot und Gold wurden zur Unterscheidung von dem ähnlichen Wappen der Stadt Mindelheim (über blauen Wellen in Silber eine schwarze Glocke) gewählt.

Das Wappen ist das Ergebnis eines Preisausschreibens der Gemeinde vom Herbst 1951, an dem sich alle Einwohner beteiligen konnten. Auf besonderem Wunsch der Gemeinde wurde noch die Jahreszahl 804 in das Dienstsiegel aufgenommen, die an das Jahr der urkundlichen Erstnennung Gilchings erinnert.

Wappendaten:
Wappenführung seit:  1952

Rechtsgrundlage:
Beschluss des Gemeinderates und Zustimmung des Staatsministeriums des Innern

Beleg:
Ministerialentschließung vom 07.04.1952

Literatur, Archivalien, Links:
Oberbayerisches Archiv 77 (1952)

Ortsgeschichte

Gilching liegt geographisch auf 48 Grad 7 Minuten nördlicher Breite und 11 Grad 18 Minuten östlicher Länge. Der Mittelpunkt des bebauten Gebietes liegt ungefähr in der Nähe der Bahnstation Gilching-Argelsried. Die Gemeinde hat eine Fläche von 31,497 km2.

Gilchings Landschaft ist von der Eiszeit geprägt. Als der Gletscher der Riß-Eiszeit schmolz, blieb seine Stimmoräne als Steinberg, Ölberg und Parsberg zurück: Moränenlandschaft des Voralpengebietes - eine der schönsten deutschen Landschaften.

Es wird angenommen, dass der Raum Gilching schon um 5.000 vor Christi besiedelt war.

Spätneolithische Hockergräber an der Rathausstraße in Gilching beweisen eine Besiedelung seit 2.000 v. Chr. Auch Gräber aus der Mittelbronzezeit aus dem 1. Jahrtausend v. Chr. geben Zeugnis einer Frühbesiedlung in Gilching. Um 450 v. Chr. wanderte der keltische Stamm der Cattenaten in unseren Raum ein. Zentrum der damaligen Besiedlung war die Keltenstadt Ambre, das heutige Schöngeising. Zwei Viereckschanzen (fälschlich Römerschanzen) zwischen Rottenried und Steinlach und eine Schanze beim Fernsehturm sind Zeugen der damaligen Besiedlung des Westgilchinger Raumes. 15 v. Chr. kamen die römischen Legionen unter Tiberius und Drusus in den Raum zwischen Alpen und Donau. Sie gründeten die römische Provinz Raetia, bauten ein gut funktionierendes Verwaltungssystem auf und bauten auf den keltischen Handelsstraßen ihre Heerstraßen aus. So entstand auch die Römerstraße, die vom damaligen Juvavum (Salzburg) über den befestigten römischen Ort Bratanium (Gauting) und Gilching nach der römischen Provinzhauptstadt Augusta Vindelicorum (Augsburg) führte.

Zeugen über die römische Besiedlung im Raum Gilching sind eine etwa zwischen 160 und 360 n. Chr. bestehende römische Siedlung südwestlich von St.Gilgen im Mischenrieder Wald und die Reste von zwei Gutshöfen aus dem 2. Jh. n. Chr. bei Steinlach und in der Steinberggegend. Sicher war nach der Römerzeit der Gilchinger Raum nicht unbewohnt. Die keltische Bevölkerung wurde von den Römern nicht ausgerottet und so war wohl nach dem Abzug der römischen Legionen um die Mitte des 5. Jh. am Südwesthang des Steinberges und des Ölberges noch eine keltische Siedlung vorhanden.

Als die germanisch-bajuwarischen Nachfolger der Römer im 6. Jahrhundert n. Chr. den Gilchinger Raum besiedelten, nannten sie ihren Ort nach ihrem Sippenältesten Giltico Kiltoahinga = bei den Leuten des Giltico. Der Name wandelte sich im Laufe der Jahrhunderte von Kiltoahinga bis zum heutigen Ortsnamen Gilching.

Erstmalig urkundlich erwähnt und dadurch schriftlich nachweisbar ist der Ort Gilching in einer Schenkungsurkunde aus dem Jahre 804. Nach dem Text der Urkunde übergibt Reginhart, Gaubevollmächtigter und Verwalter des königlichen Landbesitzes, seine Liegenschaften in den Orten Pettenbach und Glonn dem Kloster ,,Slechdorf", heute Schlehdorf.

Diese Schenkung ist vollzogen worden am 4. September im Jahre 804, verhandelt im königlichen Dorf Kiltoahing im vierten Regierungsjahr des Kaisers Karl (Karl d. Große). Die Ausfertigung der Urkunde im königlichen Dorf Kiltoahing bedeutet auch, dass Gilching bereits im Jahre 804 ein Verwaltungszentrum war. Die Zahl 804 als erste urkundliche Erwähnung Gilchings ist auch im Gilchinger Wappen enthalten. Als Verwaltungs- und Gerichtszentrum ist Gilching auch. nachweisbar vom 13. Jahrhundert bis zum Beginn der Säkularisation im Jahr 1803. Im 13. Jahrhundert bestand in Gilching ein Schergenamt des ,,Amtes zu Pähl /Wilheim (Weilheim)". Am 8. August 1346 wird erstmals das neu eingerichtete Landgericht Starnberg mit seinen 3 Schergenämtern Starnberg, Gauting und Gilching erwähnt.
       
Berühmt ist die Arnoldusglocke in der Pfarrkirche St. Vitus. Sie ist im Wappen der Gemeinde enthalten und ist die älteste noch vorhandene Glocke in Bayern. Pfarrer Arnoldus ließ sie zwischen 1180 und 1187 gießen.


1632 kamen die Schweden und plünderten den Ort. Der ,,rote Hahn" erschien zuerst auf dem Dach des Gaulrapp-Hofes. Dann brannte der Hof des Schinagl-Bauern Johann Seeholzer, sowie der Hof seines Nachbarn Schöttl (Högner) und der Sum-Sum-Hof (Mauermeier). Am anderen Dorfende stand die qualmende Brandsäule über dem Lackenbauemhof und über anderen Dächern. Drei Wochen lang standen Tod, Vernichtung und Schrecken als Gespenst über Gilching.
 
Das Dorf Gilching war bis zum Bau der Eisenbahnlinie München- Herrsching im Jahre 1903 ein reines Haufenwegedorf am Südhang des Ölberges und des Großen Berges, beginnend am Aubach (heute Krautgartenweg) und endend am Ausgang nach Alling. Zum Dorf gehörten die Ortschaft St. Gilgen, die Weiler Steinlach und Rottenried und die Einöden Wiesmath und Kosthof.

Erst im Jahre 1978 kam im Zuge der kommunalen Gebietsreform die bis dahin selbstständige Gemeinde Argelsried mit dem Ortsteil Argelsried und Geisenbrunn zu Gilching. Argelsried ist erstmalig im Jahre 1145 erwähnt als Arnitsesriet (eine Rodung des Amis) und Geisenbrunn wird im Jahre 1442 als Geyselprunn genannt.

Nach dem Bau der Eisenbahnlinie im Jahre 1903 entwickelte sich die Gemeinde entlang der Römerstraße in Richtung Bahnhof. Um 1900 wurde an der Landsberger Straße eine Gastwirtschaft -das ,,Jägerheim"- errichtet, in dem die Jäger des damaligen großen Waldgebietes östlich der Landsberger Straße verkehrten und neben dem dann einige Häuser entstanden. Das waren die Anfänge der Waldkolonie. 1937/38 wurde der Flugplatz Oberpfaffenhofen gebaut und die Dornier-Werke brachten viele Facharbeiter mit, für die im damaligen gemeindlichen Waldgelände an der heutigen Sonnen-, Merkur-, Venus- und Marsstraße die Dornier -Siedlung errichtet wurde.

Die Einwohnerzahl stieg durch den Zuzug der Dornierwerksangehörigen, durch in Gilching zuziehende ausgebombte Münchner Bürger und durch rund 1700 Heimatvertriebene aus den deutschen Ostgebieten sehr schnell, ohne dass in dieser Zeit für sie neuer Wohnraum geschaffen wurde - von 2074 Einwohner im Jahre 1939 auf 4557 Einwohner im Jahre 1952. Die Einwohnerzahlen stiegen durch das Bestreben vieler Menschen aus der Großstadt München ,,ein Häuschen im Grünen" zu haben, schnell weiter und kletterte durch Zuzug aus allen anderen deutschen Gebieten explosionsartig weiter. Heute hat die Gemeinde 18.388 Einwohner.
 
Das rasche Anwachsen der Wohnbevölkerung stellte die Verantwortlichen im Rathaus vor große Probleme: Die Gemeinde brauchte immer mehr Schulraum, neue Kindergärten, eine größere Wasserversorgungsanlage, geteerte Straßen und eine Kanalisation. Sie brauchte Freisportanlagen und Sporthallen, einen neuen Bauhof und eine moderne Feuerwehr. Sie brauchte Arbeitsplätze für die Bewohner durch Ansiedlung neuer Gewerbebetriebe, und auch das kulturelle und sportliche Angebot musste mit finanzieller Unterstützung der Gemeinde erweitert werden.

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