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Donnerstag, 2017-05-25

Entwicklung Ortsmitte

Bei der Entwicklung einer lebendigen Ortsmitte Gilching wurden in moderierten Dialogen

  • die unterschiedlich Betroffenen und Interessierten angemessen und verlässlich eingebunden und
  • die Vielzahl der relevanten Themen fundiert miteinander besprochen.

 

Beauftragt mit der Moderation des Dialogprozesses wurde das Schäuble Institut, München. Frau Ingegerd Schäuble und Frau Oranna Erb haben die Organisation und Anleitung eines fairen, zielführenden Dialogprozesses im Sommer 2014 übernommen.

Besonders dann, wenn die Meinungen und Einstellungen dazu interessengebunden kontrovers sind, ist es hilfreich, zwischen den Interessen und Bedürfnissen eine Verständigung herzustellen und gemeinsam nach realisierbaren Lösungen zu suchen. Mit einem dialogischen Wechselspiel wurden unterschiedliche Bedarfe und vielfältige Aufgabenstellungen in der öffentlichen Diskussion bearbeitet. Das Moderationsteam hat dafür die konstruktive Arbeitsatmosphäre geschaffen, in welcher sowohl die Unterschiedlichkeiten/Widersprüche, als auch der grundsätzliche Konsenswille Wertschätzung erfahren konnten.

Das zu Beginn entwickelte Konzept für den Verlauf des Dialogprozesses wurde immer wieder den aktuellen Gegebenheiten und Erfordernissen angepasst. Schließlich wurden folgende Schritte nacheinander durchgeführt:

  • Mit einem Diskurs zu Interessen und Meinungen hat der Partizipationsprozess öffentlich sichtbar begonnen. Eingeladen wurden

    • die Gemeinderätinnen und Gemeinderäte,
    • alle direkt betroffenen Eigentümerinnen und Eigentümer, deren Liegenschaften im Umgriff des zur Aufstellung beschlossenen Bebauungsplans "Ortsmitte" liegen
    • Verwaltungsfachleute
    • Vertreterinnen übergeordneter Behörden
    • das Planungsbüro für die Vorbereitenden Untersuchungen, PLANKREIS, sowie
    • der Planungsverband Äußerer Wirtschaftsraum München als Planungsbüro für den Bebauungsplan.

 

Bei dieser ersten Veranstaltung - durchgeführt am 24.7.2014 - ging es v.a. darum, die unterschiedlichen Meinungen der Betroffenen direkt auszutauschen, sie im Kreis der Teilnehmenden zu diskutieren und allen ein Gespür die die spezielle Gemengelage hinsichtlich der Entwicklung der Ortsmitte Gilching zu vermitteln. Der Kreis dieser Teilnehmenden kam bei dieser Gelegenheit erstmals zusammen, so dass alle auch davon profitieren konnten, die Akteurinnen persönlich kennen zu lernen und Möglichkeiten im Meinungsfindungsprozess abzuschätzen.

  • Nach diesem Diskurs wurden an drei DialogTischen mit freiwillig Mitwirkenden aus dem Kreis des Auftakt-Diskurses Möglichkeiten zur Gestaltung der Ortsmitte vertieft erkundet. Es ging dabei um

    • die Achse Römerstraße
    • die Achse Glatze-Steinberg und
    • den Achsenschnittpunkt
       
  • Um den Gemeinderat kontinuierlich auf dem Laufenden zu halten, wird er regelmäßig informiert. Er übernahm dabei in der Tradition der Gemeinde auch die Funktion einer Lenkungsgruppe, in der die wichtigen Entscheidungen zum Dialog- und Gestaltungsprozess zeitnah und kompetent getroffen wurden. Am 21. Oktober 2014 tagte der Gemeinderat erstmals nicht öffentlich als Lenkungsgruppe. Weitere Treffen - nach Bedarf und nach Fortschritt des Dialogprozesses angesetzt - fanden am 24.03.2015, 29.04.2015 und 20.10.2015 statt.

  • Das bestehende Meinungsbild und Ansatzmöglichkeiten zur Konsensfindung ließen sich nach diesen DialogTischen für die breite Diskussion darstellen. Dies war ein günstiger Zeitpunkt für einen Auftakt-BürgerDialog für ALLE am 26.11.2014.

    Das Partizipationsangebot wurde für die gesamte Bürgerschaft Gilchings offen gehalten und transparent gemacht. Diese frühzeitige Einbeziehung lag im Interesse der Gemeindepolitik und im Interesse des sozialen Friedens in der Kommune. Beim Auftakt-BürgerDialog wurde zum einen der aktuelle Stand der Diskussion dargelegt und zum anderen die Meinungen und Einstellungen in der Bürgerschaft dazu angehört. Zugleich konnte hiermit die Alltagskompetenz der Menschen, die in der Ortsmitte leben oder arbeiten oder sich gerne hier aufhalten, einbezogen werden. Dies war insbesondere in Hinblick auf eine Belebung der Ortsmitte von Bedeutung, denn die menschlichen Erfahrungen und Verhaltensmuster sind wichtiger Ausgangspunkt für die Gestaltung.

  • Nach diesem offenen BürgerDialog gab es zunächst fünf Themengruppen, an denen zentrale Fragestellungen in kleinerem Kreis vertieft wurden.

  • Bei der Themengruppe Einzelhandel/Dienstleistungen (11.02.2015), zu der LadeninhaberInnen und DienstleisterInnen aus dem Bereich der Ortsmitte sowie alle interessierte Bürgerinnen eingeladen wurden, ging es unter anderem um die Fragen
    - Was brauchen Sie zur Stärkung Ihrer geschäftlichen Aktivitäten?
    - Was halten Sie für die Attraktivität der Ortsmitte für wichtig?
    - Welche kulturellen oder infrastrukturellen Einrichtungen und Qualitäten wären für Sie
      wichtig?
    - Was würde die Ansiedlung eines Magneten, z.B. eines Vollsortimenters, an der
      Römerstraße für Sie und für die Gemeinde bedeuten?
    - und vieles mehr
     
  • In der Themengruppe Römerstraße (26.02.2015) wurden Themen diskutiert wie z.B.
    - Verkehrskonzept
    - Gestaltung des Straßenraums / der Verkehrsflächen
    - Bebauung / räumliche Qualitäten
    - Nutzungen / Funktionen
    - Grünflächen / Bepflanzung

  • Die Themengruppe Jugend (09.03.2015) wurde für die Gilchinger Jugendlichen organisiert, um
    - deren ganz spezielle Bedürfnisse
    - Wünsche an Einrichtungen in der Ortsmitte
    - Vorstellungen für die Freibereiche in der Ortsmitte
    - und noch vieles mehr zu erfahren.

  • Bei einem ersten Treffen der Themengruppe Qualitätsachse Glatze - Steinberg (05.03.2015) wurde der gesamte Bereich, der an dieser Achse liegt, betrachtet
    - mit allen kleineren und größeren Plätzen,
    - unter dem Aspekt der Belebung dieser verschiedenen Bereiche,
    - mit Blick auf die hier geplante Fuß-/Radwegverbindung und
    - auf alle hier vorhandenen bzw. gewünschten oder bereits geplanten Nutzungen sowie
    - auf die Grün-Qualitäten in diesem Bereich und nicht zuletzt
    - auf die Verbindung - sowohl emotional als auch in natura sichtbar - zum Steinberg.

    Der Schwerpunkt der Diskussionen lag hierbei jedoch auf dem Schnittpunkt dieser Qualitätsachse mit der Römerstraße. Die Ergebnisse fanden Eingang in die Bürgerschaftlichen Empfehlungen zum Bebauungsplangebiet.

    Bei einem abschließenden 2. Treffen am 09.06.2015 gab es Gelegenheit, über die Bereiche in der Fortsetzung von diesem Schnittpunkt
    - bis zum Steinberg einerseits und
    - Richtung Glatze andererseits

    in der gebührenden Ausführlichkeit zu diskutieren und neue Ideen einzubringen. Hierbei ging es unter anderem um die Möglichkeiten zur Belebung der gesamten Achse und zu ihrer qualitätsvollen und vielfältigen Gestaltung für verschiedene Zielgruppen.

  • Eine Themengruppe Bebauungsplan wurde kurzfristig am 14.04.2015 einberufen, da für diesen Bereich, auf dem eine Veränderungssperre liegt, möglichst schnell Entscheidungen getroffen werden sollten; diese Themengruppe formulierte "Bürgerschaftliche Empfehlungen an den Gemeinderat zum Bebauungsplan Ortsmitte", die am 29.04.2015 in der Lenkungsgruppe vorgestellt wurden.

Für den rot umrandeten größeren Bereich hatten die Bürgerinnen mehr Zeit, um Empfehlungen zu erarbeiten.

Für den kleineren schwarz umrandeten Umgriff besteht eine Veränderungssperre. Zu diesem Gebiet (Bebauungsplangebiet Ortsmitte) sollten möglichst schnell Entscheidungen getroffen werden.

 

 

 Ein Vertiefungs-BürgerDialog für alle Interessierten und zu allen Themen unter dem Motto "Unsere Ortsmitte gemeinsam entwickeln" fand am Samstag , 09. Mai 2015, dem bundesweiten Tag der Städtebauförderung, statt. Hier gab es die Möglichkeit, das bisher in Gilching Erarbeitete zur Gestaltung der Ortsmitte im großen Kreis miteinander zu betrachten, zu würdigen und zu ergänzen. Die mit dem Auftakt-BürgerDialog begonnene Offenheit und Transparenz des Partizipationsverfahrens wurde hiermit fortgesetzt.

  • Da dieser Vertiefungs-BürgerDialog termingebunden war (Tag der Städtebauförderung), konnten 2 weitere Themengruppen erst im Anschluss hieran stattfinden:

    • Fortsetzung der Themengruppe Achse Glatze-Steinberg vom 05.03.2015 (am 09.06.2015 - siehe oben) und

    • Resümee-Themengruppe "Bürgerschaftliche Empfehlungen zum gesamten Gebiet der Vorbereitenden Untersuchungen (VU) am 15.07.2015":
      Die zahlreichen Anregungen der Bürgerschaft zur Gestaltung der gesamten Ortsmitte am 20.10.2015 der Lenkungsgruppe vorgestellt werden. die Bürgerschaftlichen Empfehlungen finden Sie hier.

  • In einem Resümee-BürgerDialog am 01.12.2015 soll die Umsetzung der Bürgerschaftlichen Empfehlungen - soweit sie in der Lenkungsgruppe akzeptiert werden - in ein städtebauliches Konzept (Abschlussbericht der "Vorbereitenden Untersuchungen") den interessierten Bürgerinnen und Bürgern vorgestellt werden. Hier kann auch nochmals versucht werden, in den Punkten einen Konsens zu finden, in denen dies bislang noch nicht möglich war. Es gab/gibt jedoch keinen Zwang zum Konsens, auch der möglicherweise bleibende Dissens wird als Ergebnis der Partizipationsbemühungen dokumentiert und dem Gemeinderat zur Kenntnis und zur Beschlussfassung vorgelegt. Dieser Resümee-BürgerDialog bildet zugleich den Auftakt zu einem dann beginnenden Dialog zum Bereich "Gilchinger Glatze" (siehe hierzu demnächst eigener Menüpunkt auf der Internetseite der Gemeinde).

  • Mit der Befassung in der Lenkungsgruppe / im Gemeinderat geht der Partizipationsprozess vom Reden in die Umsetzung dessen über, was der bürgerschaftliche Wille in der Gemeinde zur Entwicklung der Ortsmitte ist.

    Das Hin und Her zwischen unterschiedlichen Themen, unterschiedlichen Gruppierungen und unterschiedlichen Hierarchiestufen wurde durch drei Begleit-Qualitäten unterstützt:

    die verschiedenen Fachbüros (Städtebauliche Sanierung, Verkehr, Einzelhandel, Bebauungsplan) brachten die Ergebnisse ihrer fachlichen Bemühungen als Informationsgebende regelmäßig und zuverlässig in den Partizipationsprozess ein. Umgekehrt ergaben sich aus dem Partizipationsprozess heraus Anregungen für Änderungen oder Erweiterungen der fachlichen Planungen.

  • Damit der Partizipationsprozess möglichst minimalistisch bleiben konnte, bedurfte es einer Gruppe von EntscheidungsträgerInnen, die sich um Zieltreue und um einen sinnvollen Entscheidungsfluss kümmerten. Eine gut arbeitende Lenkungsgruppe war und ist für den gut funktionierenden Meinungsfindungsprozess unabdingbare Voraussetzung. In Gilching wurde der Gemeinderat als Lenkungsgruppe aktiv. Es machte Sinn, hier auch die Verwaltung und die städtebaulichen Büros PLANKREIS und Planungsverband Äußerer Wirtschaftsraum München einzubinden. Auch das Moderationsteam wirkte in der Lenkungsgruppe fachlich und zugleich moderierend mit.

  • Der Kommunikationsfluss in die Bürgerschaft sicherte eine stringente Öffentlichkeitsarbeit ab. Pressearbeit über örtliche Medien und Informationen via Gemeindeblätter und Internet Seite der Kommune sind hierbei zentral.

    Schäuble Institut, München im Oktober 2015
    Oranna Erb, Ingegerd Schäuble